Was denken Kinder wirklich? Wie erleben sie die Welt? Warum reagieren sie so, wie sie es tun?
Die „Sicht der Kinder“ ist der Schlüssel, um ihr Verhalten zu verstehen. Besonders, wenn sie schreien, verweigern oder sich verletzen. Wer die Lebenswelt der Kinder begreift, kann mit ihnen neue Wege finden.
In diesem Beitrag erkläre ich, wie wir die Perspektive unserer Kinder kennen-lernen. Und warum das die Grundlage für gelingende Erziehung ist.
Die Sicht der Kinder verstehen lernen
In diesem Blog-Beitrag lernen wir eine wichtige Grundlage der Kinder-Erziehung:
Die Sicht unserer Kinder. Oder: Was sind die Besonderheiten der Lebens-Welt eines Kindes?
Wir suchen keine allgemeingültigen Antworten.
Keine Antworten, die für alle Kinder gelten.
Wir wollen die Sicht des einzelnen Kindes verstehen lernen:
- In welcher Kultur und Tradition wächst es auf?
- Wie alt ist das Kind und was hat es bisher erlebt?
- Welche Beziehungen hat es zu welchen Menschen?
- Wie sind der Ort und der Raum, in dem das Kind lebt?
Was bringt es uns, die Sicht der Kinder zu verstehen?
Dieses Wissen hilft uns, wenn wir das Verhalten unserer Kinder verstehen wollen:
„Warum tut mein Kind das?“ fragen wir besonders dann,
wenn das Kind Schwierigkeiten macht:
- Schreien
- Schlagen
- Verweigern
- Sich selbst verletzen
- Zerstören
Der Grund für das Verhalten des Kindes liegt in seiner Lebens-Welt:
- Wenn wir die Lebens-Welt verstehen,
- können wir das Verhalten besser verstehen und
- daraus können wir mit dem Kind zusammen leichter ein alternatives Verhalten lernen.
Im Blog-Beitrag Kinderverhalten verstehen: Warum Kinder sich selbst oder anderen schaden lernen wir das VERHALTEN unserer Kinder besser zu verstehen.

In welcher Welt leben wir?
Wir alle sind ein Teil dieser Welt:
- Was brauchen wir, für ein Leben in dieser Welt?
- Was brauchen unsere Kinder für ein Leben in dieser Welt?
Die Lebens-Welt-Orientierung hilft uns zu verstehen:
- Wie sehen unsere Kinder die Welt?
- Was denken sie? Was glauben sie? Wie bewerten sie die Dinge?
- Wovon sind sie umgeben (Mitmenschen, Ort, Raum, Kultur, Tradition)?
Das eigene Kind und seine Lebens-Welt zu verstehen, ist für Eltern zentral:
Ohne dieses Verständnis bleiben Erziehungs-Tipps oft wirkungslos.
Früher vs. heute: 3 wichtige Beobachtungen.
1. Heute gibt es viel mehr verschiedene Lebens-Formen:
Früher war klar: Man lebte entweder in der Stadt oder auf dem Land.
Heute leben wir in der Stadt, im Vorort, auf dem Land oder sogar überall, weil man mit dem Laptop arbeitet.
Früher gab es Mädchen und Jungen.
Heute gibt es Mädchen, Jungen, Menschen, die sich nicht eindeutig zuordnen, oder die sich anders fühlen.
2. Wir alle leben heute anders (individuell):
Früher war es so: Man heiratete, bekam Kinder und arbeitete im Büro von 9 bis 17 Uhr.
Heute ist alles möglich: Wir leben allein, in einer Patchwork-Familie, arbeiten selbstständig, von zu Hause aus.
Oder wir machen einen Job, den früher niemand kannte.
3. Zusammenfassung:
Früher schien es klar: „So ist es!“ Das gab Sicherheit.
Heute sind diese Regeln nur noch grobe Vorschläge.
Wir müssen heute selbst heraus-finden:
Was passt für mich?
Die zentrale Aufgabe der heutigen Zeit.
Unsere wichtigste Aufgabe ist:
Wir müssen uns zurechtfinden in all den vielen Möglichkeiten.
Wir müssen selbst entscheiden:
Was passt zu mir? Was will ich wirklich?
Das heraus-zu-finden, braucht Zeit.
Manchmal ist es schwierig. Weil es uns überfordert.
Darin haben wir auch viele Chancen.
Die Kompetenzen, die uns helfen: «Hilfe zur Selbst-Hilfe».
Wir alle stehen im Leben an einem anderen Punkt.
Wir sehen die Welt verschieden.
Wir bewerten Dinge unterschiedlich.
Manche haben mehr Geld, manche weniger.
Manche fühlen sich gesund, manche krank.
Wir erlebten Dinge, die uns prägten und veränderten.
Du und ich: Wir denken anders. Wir handeln anders.
«Hilfe zur Selbst-Hilfe» beginnt genau da:
Dort, wo wir gerade sind: in unserem ganz eigenen Moment.
Dabei wollen wir verstehen:
- Was macht es dir gerade schwer?
- Was macht dir Freude?
- Was fürchtest du?
- Wovon träumst du?
Wenn wir den einzelnen Menschen verstehen:
Dann können wir ihm helfen, seine Probleme selbst zu lösen.
Unsere Probleme selbst lösen, lehrt uns:
- Vertrauen in uns selbst
- Mut, etwas zu probieren
- Mit einem sicheren Gefühl durchs Leben zu gehen.
Wir alle haben eine andere Ausgangslage.
Haben Dinge oder haben sie nicht.
Und deshalb ist das, was für uns möglich ist, bei uns allen anders.
Die Lebens-Welt-Orientierung in der Kinder-Erziehung.
Das Verstehen unserer Kinder ist ein ewiger Prozess.
Die Welt verändert sich täglich.
Manchmal in kaum merkbaren Kleinigkeiten.
Und auch unsere Kinder verändern sich täglich.
Was heute gilt, kann morgen noch gleich sein.
Oder auch nicht.
Wenn wir unsere Kinder wirklich verstehen wollen,
müssen wir ebenso uns selbst verstehen.
Zunächst fragen wir uns selbst:
- Was halte ich für richtig und wichtig?
Danach wollen wir verstehen:
- Ist das auch für mein Kind richtig und wichtig?
- Oder: Was ist für mein Kind richtig und wichtig?
Selbst-Reflexion hilft uns, uns selbst besser zu verstehen.
Warum die Selbst-Reflexion zentral ist für die Kinder-Erziehung,
erkläre ich in diesem Blog-Beitrag:
Erziehungskompetenz stärken: Wie Eltern lernen, sicher zu erziehen.
Wie verstehen wir die Sicht der Kinder? 4 Prinzipien.

Diese vier Prinzipien helfen uns, unsere Kinder besser zu verstehen.
Damit unterstützen wir sie,
- sich selbst-ständig,
- sicher und
- wertvoll zu fühlen.
1. Beobachten.
Wir schauen genau hin, was das Kind tut. Wie reagiert es?
Wir sind interessiert und neugierig, wir wollen unser Kind entdecken.
Ohne gleich zu urteilen oder zu korrigieren.
Beispiele aus dem Alltag:
- Mit welchem Spielzeug spielt das Kind am meisten?
- Verhält sich das Kind unterschiedlich bei verschiedenen Menschen?
- Wie genau lernt das Kind?
2. Mitbestimmen lassen.
Wir lassen das Kind mitentscheiden. Auch bei kleinen Dingen.
Das Kind darf mitreden und offen seine Meinung sagen.
Es fühlt sich ernst genommen.
Beispiele aus dem Alltag:
- „Möchtest du Äpfel oder Bananen?“
- „Wie findest du das, was ich tue?“
- „Was denkst du darüber?“
3. Stärken sehen.
Wir schauen:
- Was kann das Kind schon gut?
- Was macht es nicht gerne?
- Woran hat das Kind Freude?
Beispiele aus dem Alltag:
- Das Kind malt gerne: Wir besorgen schönes Papier und bunte Stifte, damit es die Hausaufgaben gestalten kann.
- Das Kind ist mutig: Wir lassen es beim Spaziergang vorgehen, weil es sich traut, eigene Wege zu gehen.
4. Das Kind als Ganzes sehen.
Wir sehen das Kind als ganzen Menschen. Mit eigenen Gefühlen, eigenen Gedanken, eigenem Körper und eigenen Bedürfnissen.
Beispiele aus dem Alltag:
- Wir denken nicht: „Du bist bloss ein Kind.“
- Wir denken: „Du bist ein Mensch mit eigenen Gefühlen, eigenen Gedanken, eigenem Körper und eigenen Bedürfnissen.“
Wenn wir die Sicht unserer Kinder verstehen, können wir auch leichter das Verhalten unserer Kinder verstehen.
Q&A zum Thema die Sicht der Kinder verstehen.
1. Was bedeutet „Sicht der Kinder“ in der Erziehung?
Die „Sicht der Kinder“ beschreibt, wie Kinder ihre Umwelt wahrnehmen, bewerten und erleben und ist die Grundlage, um ihr Verhalten zu verstehen und gemeinsam Lösungen zu finden.
2. Warum ist es wichtig, die Sicht der Kinder zu verstehen?
Weil Erziehung ohne Verständnis der kindlichen Perspektive oft wirkungslos bleibt. Besonders bei herausforderndem Verhalten wie Schreien, Verweigern oder Zerstören.
3. Wie kann man die Sicht der Kinder besser verstehen?
Durch Beobachten, Mitbestimmen, Stärken sehen und das Kind als Ganzes wahrnehmen. Ohne zu urteilen, sondern mit Neugier und Respekt.
Weiterlesen.
- Erziehungskompetenz stärken: Wie Eltern lernen, sicher zu erziehen.
- Kinderverhalten verstehen: Warum Kinder sich selbst oder anderen schaden
Verwendete Literatur.
Thiersch, Hans (2014). Lebensweltorientierte Soziale Arbeit. Aufgaben der Praxis im sozialen Wandel (9. Aufl.). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.
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