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Kinderverhalten verstehen Warum Kinder sich selbst oder anderen schaden
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Kinderverhalten verstehen: Warum Kinder sich selbst oder anderen schaden


Wenn unser Kind schreit, schlägt, sich verletzt oder Dinge kaputt-macht, dann fragen wir uns: „Warum tut es das?“ Das Kinderverhalten ist oft kein Widerstand, sondern Ausdruck der inneren Hilflosigkeit.

Mit dem Bewältigungs-Konzept verstehen wir, warum Kinder so handeln: Sie streben um jeden Preis nach Selbst-Wert, Anerkennung und Selbst-Wirksamkeit.

Wenn mein Kind sich selbst oder anderen schadet

Die Sicht der Kinder ist zentral für die Kinder-Erziehung.

Die Sicht der Kinder beschreibt, wie Kinder ihre Welt sehen, bewerten und erleben. Dafür wollen wir verstehen:

  • In welcher Kultur und Tradition wächst das Kind auf?
  • Wie alt ist das Kind und was hat es bisher erlebt?
  • Welche Beziehungen hat es zu welchen Menschen?
  • Wie sind der Ort und der Raum, in dem das Kind lebt?

Im Blog-Beitrag: Die SICHT der Kinder verstehen: Die Lebens-Welt-Orientierung erkläre ich alle Details dazu.

Dieses Wissen hilft uns, wenn wir das Kinderverhalten verstehen wollen:

„Warum tut mein Kind das?“, fragen wir besonders dann, wenn das Kind „Schwierigkeiten macht“:

  • Schreien
  • Schlagen
  • Verweigern
  • Sich selbst verletzen
  • Zerstören

Der Grund für das Verhalten des Kindes liegt in seiner Lebens-Welt:

  • Wenn wir die Sicht des Kindes verstehen,
  • können wir das Verhalten besser verstehen und
  • daraus können wir mit dem Kind zusammen leichter ein alternatives Verhalten lernen.
Wenn wir die Sicht des Kindes verstehen, können wir sein Verhalten besser verstehen.

Warum verhalten sich Kinder, wie sie es tun?

Mit dem Bewältigung-Konzept verstehen wir die tiefen Schichten des Kinderverhaltens. Etwas bewältigen können heisst, mit etwas:

  • zurecht-kommen
  • meistern
  • lösen
  • überwinden

Wir alle wollen Selbst-Wert, Anerkennung und Selbst-Wirksamkeit.

Das Bewältigungs-Konzept nimmt 3 Dinge an:

Wir alle wollen

  1. uns wertvoll fühlen (Selbst-Wert),
  2. Anerkennung bekommen und
  3. das Gefühl haben, etwas schaffen zu können (Selbst-Wirksamkeit):

1. Selbst-Wert ist das Gefühl, dass du dir selbst wichtig bist. Egal, was andere sagen oder denken. Es geht darum, dich zu mögen, wie du bist, und zu wissen: „Ich bin wertvoll, auch wenn ich Fehler mache.“

  • Wie spüre ich mich?
  • Wie schätze ich mich selbst ein?

2. Anerkennung ist, wenn andere dir zeigen, dass sie dich schätzen. Durch ein Lob, ein Lächeln oder ein „Danke“. Das macht dich glücklich und bestärkt dich.

  • Wie sehen mich die anderen?
  • Erhalte ich Anerkennung?

3. Selbst-Wirksamkeit ist das Gefühl, dass du Dinge schaffen kannst. Auch wenn sie schwer sind. Du denkst: „Ich schaffe das!“ und probierst es aus.

  • Vertraue ich meinen Fähigkeiten?
  • Bekomme ich Situationen in den Griff?

Innere Hilflosigkeit erfahren.

Die Welt, Erlebnisse oder Menschen können uns im Selbst-Wert, in der Anerkennung oder in der Selbst-Wirksamkeit «bedrohen»:

  • Eine Flut an neuen Informationen in der Schule oder eine neue Situation kann uns überfordern. Hält das eine Zeit lang an, wird alles sinnlos. Wir werden traurig und mutlos.
  • Wir haben unser Kind angeschrien. Es ist einfach passiert, obwohl wir das gar nicht wollen. Wir schämen uns und fühlen uns schuldig.
  • Unsere Familie hat sehr wenig Geld. Wir können nicht in die Ferien fahren oder uns neue Dinge kaufen. Unsere Kinder schämen sich und fühlen sich wertlos, wenn andere Kinder von Familien-Ferien erzählen.

Das Bewältigung-Konzept spricht in solchen Situationen von «innerer Hilflosigkeit». Weitere Beispiele für «innere Hilflosigkeit» sind:

  • Scheitern
  • Jemanden verlieren
  • Angst zu versagen
  • Frust wegen negativer Erfahrungen
  • Mies fühlen
  • Inneren Druck im Bauch fühlen

Umgang mit innerer Hilflosigkeit.

Die innere Hilflosigkeit können wir lösen, indem wir sie jemandem erzählen. Indem wir sie thematisieren und ausdrücken. Das ist manchmal schwierig, weil wir die Worte dafür nicht finden.

Viele haben nie gelernt, das Innere aussprechbar zu machen. Wir können das jederzeit lernen und üben. In meinem Schreib-Blog geht es genau darum: Worte zu finden für Dinge, die schwer zu sagen sind. Ich habe dazu zwei Blog-Beiträge geschrieben:

Stift und Papier sind ein leichter Weg, dich auszudrücken. Gleichzeitig lernst du, dich selbst besser zu verstehen.

Wenn wir unsere innere Hilflosigkeit nicht loswerden können, indem wir:

  • darüber reden
  • es ansprechen
  • unsere Gefühle zeigen
  • es jemandem erzählen

… dann baut sich in uns ein Druck auf. Wie eine Spannung, die nicht mehr geht. Wir fühlen uns überfordert und schieben dieses Gefühl dann nach draussen: Wir „werfen“ es anderen zu, anstatt es in uns zu lösen.

Störendes Kinderverhalten ist oft ein Hilferuf. Nicht ein Angriff.

Er schlägt sein Kind und meint sich selbst.

Das Bewältigungs-Konzept sagt: Wenn wir nicht wissen, wie wir den Druck und die Spannung in uns los-werden: Dann machen wir Dinge, die uns selbst oder anderen schadet. Solches Kinderverhalten ist oft ein Zeichen dafür, dass jemand Hilfe braucht. Weil sich die Person innerlich hilflos fühlt. Sie weiss nicht, was sie mit dem Druck machen soll.

Beispiele für uns selbst schaden:

  • sich entwerten
  • Medikamente missbrauchen
  • Ess-Störungen
  • Depression
  • sich isolieren
  • sich entwerten
  • Schweigen
  • sich selbst verletzen

Beispiele für anderen schaden:

  • Andere anschreien, schlagen oder beleidigen
  • Dinge kaputt-machen oder stehlen
  • Keine Rücksicht auf andere nehmen (z. B. laut sein, wo Ruhe sein soll)
  • Sich nicht an Regeln halten, auch wenn man weiss, dass es falsch ist
  • Verweigerung

Erwachsene und Kinder schaden sich selbst oder anderen, weil sie wollen um jeden Preis

  • Selbst-Wert
  • Anerkennung und
  • Selbst-Wirksamkeit erfahren

Aber vor allem entspannt es die innere Anspannung und löst den inneren Druck. Deshalb wird das schädliche Verhalten durch das Kind positiv erlebt. Weil es entspannt.

Beispiel Kinderverhalten: Das Mädchen, das immer Sachen kaputt macht.

Ein Mädchen macht oft Sachen von anderen Kindern kaputt. Warum?

Weil es sich einsam fühlt. Niemand will mit ihm spielen.

Wenn es etwas kaputt-macht, dann schauen die anderen Kinder und reden mit ihm. Auch, wenn sie wütend oder traurig auf das Mädchen sind. Für das Mädchen ist das wichtig: Es will einfach gesehen und bemerkt werden, egal wie.

Wenn wir jetzt sagen: „Hör auf, Sachen kaputt-zu-machen!“ oder es bestrafen,

dann nehmen wir ihm die einzige Möglichkeit, die es kennt, um anerkannt zu werden.

Das macht es noch einsamer und hilfloser. Und dann kann es passieren, dass es anfängt, andere Kinder zu schlagen. Weil es nicht weiss, wie es sonst Hilfe bekommt.

Aber: Wenn wir verstehen, warum das Mädchen das tut: Dann können wir ihm helfen, andere Wege zu finden, um Aufmerksamkeit und Anerkennung zu bekommen. Dann braucht es nicht mehr Sachen kaputt-zu-machen, weil es jetzt bessere Möglichkeiten hat, sich zu fühlen: „Ich bin wichtig. Ich gehöre dazu.“

Checkliste: Wenn mein Kind sich selbst oder anderen schadet?

  1. Die Sicht des Kindes verstehen.
    → Alter, Umgebung, Beziehungen, Erfahrungen . Das prägt sein Verhalten.
  2. Was will das Kind mit seinem Verhalten sagen?
    → Selbst-Wert | Anerkennung | Selbst-Wirksamkeit. Oft steckt ein Hilferuf dahinter.
  3. Die innere Hilflosigkeit erkennen.
    → Überforderung, Scham, Trauer. Das Kind „wirft“ den Druck nach draussen oder gegen sich selbst.
  4. Helfen, das Innere aus-zu-drücken.
    → Mit Stift & Papier, Schreiben, Zeichnen. Worte statt Wut.
  5. Anderes Verhalten lernen.
    → Biete Wege, wie es gesehen, gewürdigt und wirksam werden kann.
Es geht nicht darum, das Kinderverhalten zu bestrafen. Sondern darum, zu verstehen, was das Kind wirklich braucht.

Weiterlesen.

Verwendete Literatur.

Böhnisch, Lothar (2023). Lebensbewältigung. Ein Konzept für die Soziale Arbeit (3. Aufl.). Weinheim/Basel: Beltz Juventa.


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