Digitale Geräte wie Handys, Tablets oder PCs und Programme wie Apps und das Internet sind schon früh im Leben unserer Kinder dabei. Sie können helfen oder schaden.
Sie können:
- Kindern helfen, selbstständig und gut mit anderen zu leben.
- Sie können das Aufwachsen und die Gesundheit schwer machen.
In diesem Beitrag reden wir über:
- Wann helfen digitale Medien und wann schaden sie unseren Kindern und Jugendlichen?
Besonders wichtig ist dabei:
- Wie geht es dem Kind und was kann es schon selbst.
- Wie die Eltern und andere Erwachsene mit dem Kind umgehen und es begleiten.
- Was Freunde und Klassenkameraden sagen und tun.
- Wie unsere Gesellschaft insgesamt mit den digitalen Medien umgeht.
Das Wohlbefinden ist zentral für die Erfahrungen in der digitalen Welt.
Wenn es unseren Kindern und Jugendlichen körperlich und mental gut geht, dann machen sie eher positive Erfahrungen mit den digitalen Medien. 3 Dinge sind zentral für das Wohlbefinden:
1. Hat die Familie genügend Geld:
- Zum Wohnen,
- für Kleider,
- Essen,
- Handy und
- zum Freunde treffen und mit ihnen etwas unternehmen.
2. Sind die Kinder und Jugendlichen und die ihrer Eltern gesund:
- Fühlen sich Kinder sicher im Leben
- Fühlen sie sich selbst wichtig.
- Erleben sie, dass sie für andere Menschen wichtig sind?
3. Machen Kinder und Jugendliche positive Erfahrungen im Alltag:
- Sind die Eltern respektvoll und freundlich
- Machen ihnen Erwachsene Mut für das, was sie tun
- Haben sie Freunde, mit denen sie gerne zusammen sind
UNICEF schrieb kürzlich einen detaillierten Bericht über das Leben der Kinder in Deutschland. Im Blog-Beitrag Subjektives Wohlbefinden von Kindern: Ein Warnsignal für uns alle erkläre ich das aktuelle Wohlbefinden unserer Kinder.

Für Jugendliche ist das Wichtigste für ein gutes Gefühl im Alltag:
- Mit Freunden zusammen sein. Egal ob offline oder online.
- Erfolge feiern. Z. B. in der Schule, beim Sport oder in einem Hobby.
- Einfach mal nichts tun: Entspannen, chillen, abschalten.
Was sie unzufrieden macht:
- Druck, immer gut sein zu müssen (z. B. in der Schule oder im Sport).
- Keine Zeit haben. Zu viel zu tun, zu wenig Pause.
Viele Jugendliche sind sehr stark mit Social Media verbunden. Also ständig online, auf TikTok, Instagram, WhatsApp. Das macht sie immer unzufriedener. Weil sie sich vergleichen, nie abschalten können oder das Gefühl haben, sie müssten immer erreichbar sein.
Übersicht der Risiken und Chancen der digitalen Welt.
Die Tabelle unten zeigt mögliche Einflüsse der digitalen Welt auf die Persönlichkeits-Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
In diesem Blog-Beitrag gehen wir nicht auf die möglichen Einflüsse ein. Wir wollen verstehen: Wann und warum die digitale Welt manchen Kindern und Jugendlichen schadet und warum sie manchen gut tut?
Die Tabelle habe ich aus diesem Buch übernommen: Hajok, Daniel (2026, S. 173-174). Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt (1. Aufl.). Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH


Was ist ein Kind?
Kinder sind nicht weniger wert, weil sie noch nicht alles wissen oder können.
Sie haben:
- eigene Gefühle,
- eigene Gedanken,
- ihren eigenen Körper,
- und eigene Bedürfnisse.
Sie sehen die Welt anders. Diese Sicht ist genauso wichtig wie die Sicht von Erwachsenen.
Für die Erziehung unserer Kinder ist es zentral, sie zu verstehen:
- Was machen sie?
- Wie spielen sie?
- Was ist ihnen wichtig?
Im Blog-Beitrag Die SICHT der Kinder verstehen: Die Lebens-Welt-Orientierung erkläre ich, wie wir die Welt unserer Kinder besser verstehen können. Und warum das so wichtig ist, um sie gut zu begleiten und zu erziehen.

Die digitale Welt als Erzieherin unserer Kinder.
Sozialisation heisst: Wie ein Mensch lernt, mit anderen Menschen umzugehen. Und wie er zu einem Teil der Gesellschaft wird. Das fängt als Baby an und hört nie auf.
Dabei lernen wir zum Beispiel:
- Wie wir mit anderen sprechen
- Was wir tun und was nicht.
- Was wichtig ist (z. B. teilen, „Danke“ sagen).
- Wie wir mit Gefühlen umgehen.
Wer hilft dabei?
- Zu Beginn die Eltern, Grosseltern oder Geschwister. Jene Menschen, mit denen die Kinder am meisten Zeit verbringen.
- Wenn die Kinder älter werden, werden auch Lehrpersonen wichtig oder Trainer:innen in einem Verein.
- Das Lernen unter Freunden ist zentral für die Entwicklung.
- Heute lernen Kinder und Jugendliche immer mehr durch Social Media, wie man mit anderen umgeht.
Zuhause und in der Schule lernen sie das meist bewusst und geplant:
Eltern und Lehrpersonen sagen: „So macht man das“, „Das ist wichtig“, „Das ist nicht okay“.
Das ist wie eine „geschützte Übungs-Welt“.
Im Internet ist das anders:
Da passiert Sozialisation nebenbei. Oft, ohne dass jemand es merkt. Niemand sagt: „Jetzt lernst du, wie man mit anderen umgeht.“ Aber genau das passiert trotzdem. Manchmal auch Dinge, die nicht gut sind.
Deshalb ist wichtig:
Wir Erwachsene sollten Kinder und Jugendliche von Anfang an begleiten, wenn sie im Internet unterwegs sind. Mit ihnen darüber sprechen, was sie sehen, was sie fühlen, was sie tun.
Wie Kinder mit Schwierigkeiten umgehen und was ihnen dabei hilft.
Kinder und Jugendliche brauchen ein gutes Gleichgewicht zwischen:
- Was schwer ist. Z. B. Schule, Freundschaften, Druck, Sorgen.
- Was ihnen hilft. Z. B. starke Eltern, gute Freunde, Vertrauen in sich selbst.
Wenn sie mehr Probleme haben, als sie lösen können, dann fühlen sich Kinder und Jugendliche überfordert. Sie fühlen Stress, Entmutigung oder Angst.
Die digitale Welt ist ein ungeschützter Raum. Mehr denn je kommen Kinder und Jugendliche mit Dingen in Kontakt, die nicht für sie gedacht sind. Deshalb sollten wir Erwachsenen unsere Kinder begleiten. Um sie zu schützen und ihnen zu helfen, das alles zu verstehen.
Unser Ziel ist:
Wir wollen Kinder und Jugendliche begleiten, damit sie:
- Sicher und selbstbewusst im Internet und mit ihren Geräten umgehen können.
- Selbst entscheiden, wie lange sie online sind und wann sie aufhören.
- Wissen, was sie tun können, wenn sie etwas sehen oder erleben, das sie irritiert, verunsichert oder schockiert. (z. B. mit jemandem reden, etwas melden, eine Pause machen, einen Erwachsenen fragen.)
Was wir nicht wollen:
- Die digitale Welt von den Kindern und Jugendlichen fern-halten.
- Einfach den Stecker ziehen.
- Übermässige Kontrolle, Verbieten, Strafen.
Weil die Kinder und Jugendlichen ausweichen. Sie gehen an anderen Orten ins Internet oder finden Wege, Einschränkungen zu umgehen. Dann haben Erwachsene weniger Kontrolle, als wenn die Kinder und Jugendlichen in unserer Nähe sind.

So sein wie niemand und gleichzeitig so sein wie alle.
Von klein auf bis ins Erwachsenenalter fragen wir uns immer wieder:
- Wer bin ich eigentlich?
- Wer möchte ich sein?
- Wie sehen mich andere?
Das nennt man „Identität finden“.
Das Ziel dabei ist:
Eine Persönlichkeit, die
- klar und stimmig ist (nicht hin- und hergerissen),
- echt ist (so, wie man wirklich ist),
- von anderen akzeptiert wird,
- und die auch handeln kann (Entscheidungen trifft und Dinge tut).
Heute passiert das oft im Internet. Vor allem auf Social Media. Dort zeigen wir uns: mit Bildern, Videos, Texten.
Unser Ziel: Beachtung bekommen in Form von Likes, Herzen, Kommentaren. Und das führt dazu, dass viele denken: „Je mehr Likes ich habe, desto wertvoller bin ich.“
Das macht Druck, besonders auf Jugendliche: Sie wollen gesehen werden, auffallen, beliebt sein. Dafür tun sie oft:
- Spektakuläre Posts – z. B. coole Fotos, verrückte Challenges.
- Aufregende Beiträge – etwas, das alle schockiert oder überrascht.
- Übertreibungen – Sachen dramatischer darstellen, als sie sind.
- Persönliches teilen – z. B. Gefühle, Probleme, private Momente.
- Provokationen – absichtlich etwas sagen, das andere ärgert oder schockiert.
- Grenzen überschreiten – z. B. Dinge posten, die eigentlich privat bleiben sollten.
- Sich ständig zeigen – alles, was sie tun, muss gepostet werden.
Das ist oft nicht echt, sondern eine „Show“. Und das kann stressig sein, weil man sich ständig beweisen muss.
Gute Identität = nicht nur, was andere sehen. Sondern wie wir selbst über uns denken.
Zusammenfassung: Wann helfen und wann schaden digitale Medien unseren Kindern und Jugendlichen?
Digitale Medien helfen unseren Kindern und Jugendlichen, wenn:
- Sie gesund, sicher und glücklich sind. Körperlich und im Kopf.
- Sie Unterstützung von Eltern, Freunden und Lehrern haben.
- Sie selbstbewusst sind und wissen, was sie wollen.
- Sie Zeit zum Entspannen und Erfolge feiern können.
- Sie mit Erwachsenen darüber reden können, was sie im Internet erleben.
- Sie selbst Grenzen setzen können. Z. B. „Jetzt mache ich Pause“.
- Sie nicht nur für Likes leben, sondern wissen: „Ich bin wertvoll auch ohne Herzchen.“
Digitale Medien schaden, wenn:
- Kinder allein sind und keine Gespräche oder Unterstützung im echten Leben haben.
- Sie ständig vergleichen und denken: „Ich bin nicht gut genug.“
- Sie Druck haben, immer perfekt zu sein oder in der Schule.
- Sie nicht begleitet werden und alles allein lernen müssen.
Kurz gesagt:
Was zählt: Wie die Kinder drauf sind und wer sie wie begleitet. Wie Kinder den Umgang mit digitalen Medien lernen, hängt von der Qualität der Beziehung ab. Nicht von der Menge der Regeln.
Wie Kinder den Umgang mit digitalen Medien lernen – 4 einfache Dinge.
1. Frag einfach: „Was war heute dein bester Moment?“
- Nicht „Wie war die Schule?“, sondern: „Was hat dir heute Freude gemacht?“
- Zeigt: Du interessierst dich für seine Gefühle. Nicht nur für Noten oder Pflichten.
2. Setzt gemeinsam eine kleine „Handy-Pause“
- Z. B. 30 Minuten ohne Handy für ein Spiel, ein Spaziergang, ein Keks.
- Zeigt: Es geht nicht um Verbote, sondern um gemeinsame Zeit ohne Bildschirm.
3. Schaut gemeinsam ein Video oder einen Post an und redet darüber
- „Findest du das echt? Warum? Wie fühlt sich das an?“
- Zeigt: Du begleitest und hilfst, kritisch zu denken.
4. Sag oder zeige einmal: „Ich bin stolz auf dich. Nicht weil du gut warst, sondern weil du du bist.“
- Egal, ob das Kind heute eine 6 oder eine 1 hatte.
- Zeigt: Der Wert des Kindes ist unabhängig von dessen Leistung.
Warum das wichtig ist:
Wie Kinder den Umgang mit digitalen Medien lernen, hängt nicht von Regeln ab, sondern von dir. Deiner Präsenz, deinem Verständnis, deiner Begleitung. Diese 4 Dinge sind kleine Momente, sie bauen Vertrauen, Sicherheit und Selbstwert auf. Das sind die Grundlagen für ein gesundes Kind.
Q&A zum Thema Umgang von Kindern und Jugenlichen mit den digitalen Medien.
❓ Wie lernen Kinder, mit digitalen Medien umzugehen?
→ Durch Begleitung, nicht durch Verbote. Kinder lernen im digitalen Raum nebenbei. Eltern sollten dabei sein, um zu erklären, zu fragen und zu begleiten.
❓ Warum ist Begleitung wichtiger als Kontrolle?
→ Weil Kinder sonst ausweichen und in der Dunkelheit online gehen. Begleitung schafft Vertrauen, Sicherheit und Selbstbewusstsein.
❓ Was brauchen Kinder, um gesund mit Medien umzugehen?
→ Ein gutes Wohlbefinden, starke Beziehungen, Zeit zum Entspannen und Erwachsene, die zuhören.
❓ Wann schaden digitale Medien Kindern?
→ Wenn sie allein sind, keine Unterstützung haben, ständig vergleichen oder unter Druck stehen. Begleitung und Wohlbefinden sind der Schlüssel.
Weiterlesen.
- Subjektives Wohlbefinden von Kindern: Ein Warnsignal für uns alle
- Die SICHT der Kinder verstehen: Die Lebens-Welt-Orientierung
Übermässige Handy-Nutzung, Gaming oder totaler Rückzug in die digitale Welt, andere provozieren oder mobben, ist oft ein Hilferuf der Kinder und Jugendlichen. Warum und was dabei helfen kann, erkläre ich in diesem Blog-Beitrag:
Verwendete Literatur.
Hajok, Daniel (2026). Kinder und Jugendliche in der digitalen Welt (1. Aufl.). Stuttgart: W. Kohlhammer GmbH
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