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Eltern als Vorbild Und wie Kinder uns spiegeln
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Eltern als Vorbild: Und wie Kinder uns spiegeln


Während wir Erwachsenen Vorbilder sind für unsere Kinder, sind Kinder unsere Spiegelbilder. Erziehung hat viel mit uns Erwachsenen selbst zu tun. Kinder spiegeln uns in einer besonders direkten und ehrlichen Weise. Sie zeigen uns unsere Stärken. Und fordern uns in unseren Schwächen. In diesem Beitrag tauchen wir ein in die Welt der Spiegelung: Mit Beispielen und einer persönlichen Unterhaltung mit Bettina Bauer über ihre Mutterrolle.

Kontakt ist immer ein Hin und Her. Niemals bloss Aussenden

Warum sind Eltern ein Vorbild? 2 Beispiele.

Beispiel Anna.

Situation:

Mama ärgert sich über einen Kratzer am Auto, der bei einem Gerangel auf dem Supermarkt-Parkplatz entstand. Beim Abendessen erzählt sie aufgebracht: «Die war einfach so unvorsichtig! Manche Leute sollten besser nicht Autofahren!» Am nächsten Tag verschüttet ihre 7-jährige Tochter Anna beim Frühstück ihren Kakao. Das Mädchen schimpft: «Diese blöde Tasse! Die ist einfach umgefallen. Ich kann doch nichts dafür!»

Erklärung:

Das Mädchen spiegelt hier die Haltung der Mutter: Fehler werden externalisiert, andere sind schuld. Sie zeigt den Eltern, dass sie gelernt hat, Verantwortung von sich zu weisen und mit Ärger auf Missgeschicke zu reagieren, statt Fehler als menschlich anzuerkennen. Das Kind hält den Erwachsenen einen Spiegel vor: ihre eigene Schwierigkeit, Unvollkommenheit bei sich und anderen anzunehmen.

Beispiel Ben.

Kinder spiegeln uns nicht immer so direkt. Manchmal wirkt das, was sie tun oder sagen, paradox. Das heisst widersprüchlich oder gar unlogisch.

Situation:

Papa legt grossen Wert auf Selbstständigkeit. «Du musst lernen, deine Sachen selbst zu regeln», sagt er oft zu seinem 10-jährigen Sohn Ben. Gleichzeitig kontrolliert er ständig die Hausaufgaben, packt morgens den Schulrucksack, erinnert an jede Kleinigkeit und greift sofort ein, wenn etwas nicht perfekt läuft. Der Junge wird zunehmend unselbstständiger. Er fragt bei jeder Entscheidung nach, traut sich nichts zu und wartet passiv ab, bis jemand ihm sagt, was zu tun ist.

Erklärung:

Der Vater fordert Selbstständigkeit, tut aber das Gegenteil. Der Junge spiegelt nicht die Worte des Vaters, sondern seine versteckte Botschaft: «Ich traue dir nicht zu, es alleine zu schaffen. Zur Sicherheit kontrolliere ich alles.» Der Sohn zeigt durch seine Unselbstständigkeit, was der Vater wirklich kommuniziert. Nicht durch das, was er sagt, sondern durch das, was er tut. Der Junge macht die unbewusste Haltung seines Papas sichtbar.

Kinder spiegeln, wie es unserer Gesellschaft geht.

Diese Spiegelung zeigt sich nicht nur in der Beziehung zwischen Eltern und Kindern. Im Blog-Beitrag Subjektives Wohlbefinden von Kindern: Ein Warnsignal für uns alle erkläre ich den UNICEF-Bericht 2025. Insbesondere den Teil zum subjektiven Wohlbefinden der Kinder in Deutschland. Eine wichtige Aussage darin ist:

Wenn es den Kindern gut geht, dann geht es der ganzen Gesellschaft gut.

Ist das Wohlbefinden vieler Kinder schlecht, bedeutet das für UNS ALLE:

  • weniger Zusammenhalt
  • mehr Spaltung
  • weniger Vertrauen
  • schlechtere Zukunfts-Chancen

Das Gespräch mit Bettina Bauer: Wie Eltern als Vorbild fürs Kind wirken.

Kursiv geschrieben = Betty’s Anteile

Ich bekam die Möglichkeit, mit Bettina «Betty» Bauer über das Thema Spiegelung zu sprechen. Ich wollte wissen, ob da etwas dran ist und wie sich das in ihrem Familien-Alltag zeigt. Betty begleitet gemeinsam mit ihrem Mann einen 11-jährigen Jungen. Sie weiss einiges und erzählte mir zu diesem persönlichen Thema. Heute freue ich mich, das Gespräch als Blog-Beitrag zu veröffentlichen und mit dir zu teilen.

Wir Erwachsenen sind Vorbilder für unsere Kinder. Kinder unsere Spiegelbilder

Gutes Vorbild für Kinder: Die Eltern-Kind-Spiegelung.

Um unsere Kinder als Spiegel zu sehen, müssen wir umdenken. Eine neue Sichtweise einnehmen. Ich finde das nicht ganz einfach. Wenn bei den Kindern etwas los ist, dann schauen wir zuerst dort nach der Ursache und nicht bei uns selbst. Wie erlebst du das?

Wenn ich mit jemandem in Kontakt trete, ist das nie eine Einbahnstrasse. Ob das jetzt eine erwachsene Person ist oder ein Kind. Kontakt ist immer ein Hin und Her, niemals bloss ein Aussenden. Gerade in der Elternschaft ist das ein wichtiger Aspekt. Oft sagen Eltern dem Kind, unbewusst aus ihren eigenen Bedürfnissen heraus, wie es zu sein hat oder sich zu verhalten hat. Wir Erwachsenen tun dies, weil wir das halt selbst erfahren haben in unserer eigenen Kindheit. Ich bemühe mich, da heraus-zu-treten.

Das Bewusstsein, dass ich mich selbst in allen Menschen, denen ich begegne, spiegele, hilft mir in der Mutterrolle. Dabei geht es für meinen Mann und mich immer auch darum:

  • Was können wir jetzt als Eltern tun?
  • Was ist uns wichtig?
  • Womit wollen wir unserem Kind Geleit ins Erwachsenen-Leben geben?

Dabei ist meine Haltung: Ich pflege eher die Beziehung zum Kind, als dass ich es erziehe. Der Begriff Erziehung ist für mich mit meiner eigenen schmerzhaften Erfahrung verbunden: Das man in etwas rein-gedrückt wird. Sich eben verhalten muss, wie es die anderen von einem erwarten. Und erst dann ist man richtig. Ich lernte, im Aussen angepasst zu sein, und habe im Innern rebelliert. Dabei hat sich viel Wut angesammelt, die ich dann später wieder abbauen durfte.

Im Grunde ist es eine Frage meiner Haltung. Mir klar zu sein, über meine Bedürfnisse, weil ich in jede Interaktion mit meinem Kind mein eigenes Gepäck mitbringe.

Der Begriff Erziehung ist mit meiner eignen schmerzhaften Erfahrung verbunden

Selbstreflexion hilft Eltern als Vorbild.

Also, wenn wir von Spiegelung sprechen, heisst das: Du fragst etwas und dein Kind antwortet (spiegelt) in Worten oder in Taten. Oder wenn du traurig bist, dann übernimmt dein Kind deine Stimmung und wird ebenfalls traurig.

Es gibt auch die Spiegelung, wenn wir unser Kind ignorieren, ihm keine Aufmerksamkeit geben: Das Kind ignoriert uns dann nicht zurück, sondern reagiert (spiegelt) auf unser Verhalten mit Lärm, Schreien oder es macht etwas kaputt.

Indem ich mein Kind beobachte, kann ich sehen, wie ich selbst wirke. Was ich ausstrahle. Das ist echt anspruchsvoll, weil ich nicht möchte, dass sich mein Kind für meine Themen verantwortlich fühlt. Und Kinder, die fühlen sich schnell verantwortlich für die Dinge der Erwachsenen. In meiner Arbeit als Stress-Coach sehe ich immer wieder, wenn sich Eltern trennen, dass Kinder denken: «Ich bin schuld, ich bin nicht richtig, ich habe etwas falsch gemacht.»

Es lohnt sich, auch kleineren Kindern mal zu sagen:

„Ich bin heute unausgeschlafen. Mir geht’s nicht so richtig gut. Lass dich davon nicht stören. Schön, dass du Spass hast. Aber wundere dich nicht, wenn ich heute mal ein bisschen Ruhe brauche.“

Dieses Sagen und Vorleben ist einfach so wichtig.

Wir müssen uns klar machen, dass da auf der verbalen Ebene so wenig Wirkung da ist. Das, was nonverbal passiert, das wirkt so viel mehr als die reine Formulierung selbst.

Was in der Mutterrolle hilft: Wenn mein Kind nicht ausgeglichen ist, mir die Frage zu stellen: Was hat das jetzt mit mir zu tun? Wie geht’s mir denn eigentlich gerade? Wenn ich tiefen-entspannt bin, habe ich selten Situationen erlebt, in denen mein Kind total hibbelig ist.

Auf der nonverbalen Ebene passiert viel Kommunikation

Am Modell lernen.

Es hat viel damit zu tun, was wir Erwachsenen vorleben. Kinder lernen am Modell. Sie beobachten und übernehmen, kopieren gewisse Dinge. Wir leben etwas vor, das Kind sieht es und macht es nach. Das Spiegelbild eins zu eins.

Das Thema Fahrradhelm ist dazu ein schönes Beispiel: Wenn ich möchte, dass mein Kind den Fahrradhelm trägt und nicht nach der ersten Ecke wieder abnimmt, dann muss ich selbst mit Helm fahren. Wir Erwachsenen unterschätzen Kinder notorisch. Die Kinder können ganz genau wahrnehmen, ob unser Verhalten stimmig ist. Stimmig zu Situationen und stimmig zu unserer Persönlichkeit.

Ebenso beim Thema Cola: Wenn ich meinem Kind keine Cola erlaube, sitze aber bei jedem Restaurantbesuch selbst mit dem Glas Cola da. Das ist ungerecht. Unsere Kinder spüren das und sie leiden daran.

Wir Erwachsenen fordern von Kindern Respekt und haben den selbst nicht für die Kinder. Aber da dürfen wir auch ehrlich mit uns selbst sein. Und auch unseren Kindern gegenüber. Ich meine, es gibt auch Dinge, die ich gerne schon besser können würde. Wir haben dann ja auch als Eltern immer so ein idealtypisches Bild, was wir dann denken, wie wir uns jetzt verhalten müssen. Befeuert durch die Social-Media-Scheinwelt.

Dazu ist auch immer meine Empfehlung an andere Eltern: Ich finde es total okay, seinem Kind zu sagen: «Hey ich würde’s gerne so können. Aber so weit bin ich noch nicht.» Einfach zu signalisieren: Das ist eines meiner Lernfelder, hier glänze ich noch nicht.

Eltern als Vorbild: In Verbindung bleiben.

Noch ein letztes Wort von dir zu dem Thema Eltern-Kind-Spiegelung?

Positive Spiegelung, geht runter wie Öl. Ich meine eine Umarmung, eine gemeinsame Aktivität oder eine Liebesbekundung. Aber die Dinge, wo wir noch gegenseitig wachsen dürfen, das sind die, wo die Spiegelung unangenehm ist.

Da sind zwei Dinge wichtig: Ich möchte in Verbindung bleiben. Ich darf mir aber auch erlauben, mir Zeit zu geben und das erstmal zu verstoffwechseln. Aus dem Affekt zu reagieren, ist nicht immer die beste Wahl. Es ist legitim zu sagen: „Ich weiss jetzt gerade gar nicht, wie ich mit der Situation umgehen soll. Ich möchte jetzt auch nichts sagen noch tun, was ich hinterher bereue. Ich habe auf jeden Fall noch Redebedarf dazu.“

Ich muss nicht in der Situation ad hoc die beste Reaktion zeigen. Ich darf mir Zeit geben, aber ganz entschieden in Verbindung mit meinem Kind bleiben und sagen: „Okay, ich sehe dich, ich höre dich. Ich weiss gerade nicht, wie ich damit umgehen soll. Gib mir den Moment. Wir finden da wieder zusammen.“

Diese Haltung wünsche ich uns allen im Umgang mit unseren Kindern.

Und generell im Umgang mit uns allen.


Dies sind lediglich einige Auszüge aus dem reichhaltigen Gespräch mit Betty. Wenn du mehr wissen willst oder dich mit ihr austauschen magst: Kontaktiere sie direkt:

Q&A zum Thema Eltern als Vorbild.

? Warum sind Eltern ein Vorbild?

Kinder lernen am Modell. Sie spiegeln unbewusst das Verhalten, die Emotionen und die Haltungen ihrer Eltern. Was Eltern tun, wirkt stärker als was sie sagen.

? Was versteht man unter elterlicher Vorbildfunktion?

Die elterliche Vorbildfunktion beschreibt, wie Kinder durch Beobachtung und Nachahmung das Verhalten, die Werte und die emotionalen Reaktionen ihrer Eltern übernehmen. Oft ohne bewusste Absicht.

? Eltern als Vorbild fürs Kind, wie funktioniert das?

Kinder kopieren nicht nur Handlungen, sondern auch Einstellungen. Wenn Eltern selbst mit Fehlern umgehen, Respekt zeigen oder Ruhe bewahren, lernen Kinder dies. Oft, ohne dass es jemand bemerkt.

Es geht nicht um Perfektion. Ein gutes Vorbild für Kinder kann Fehler zugeben, Verantwortung übernehmen und Beziehungen pflegen.

Auch deine Geschichte will gelesen werden.

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Deine Geschichte ist eine Bereicherung für uns alle. Ich teile sie gerne auf diesem Blog unter Gastbeiträge. Melde dich bei mir.

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