Die Eltern-Kind-Beziehung im Alltag prägt, wie dein Kind denkt, fühlt und mit der Welt umgeht. In diesem Beitrag findest du einen schnellen Selbsttest mit 5 Fragen, die dir zeigen: Was läuft gut und was könntest du ändern? Ehrliche, praktische Einsichten und ein kleiner Schritt zu mehr Vertrauen und Verständnis. Mach mit, dein Kind wird es spüren.
1 Was ist die Eltern-Kind-Beziehung?
Beziehung ist kein Ding, das man anfassen kann. Wir können sie nicht einfach machen oder nicht machen. Sie entsteht aus vielen kleinen Momenten: wie wir miteinander sprechen, lachen, streiten, helfen oder zuhören.
Je nachdem, wie diese Momente laufen, wird die Beziehung gut oder schwierig.

Die Beziehung zu unserem Kind entsteht aus drei wichtigen Dingen:
1. Motivation: Warum ist dir die Beziehung wichtig?
Du möchtest mit meinem Kind gut klarkommen, weil es dir wichtig ist. Du denkst darüber nach: «Wie können wir besser miteinander umgehen?»
2. Selbst-Verständnis: Wie bist du selbst?
Beziehung ist wie ein Gespräch: Du sagst etwas, dein Kind antwortet. Du kannst dich selbst ändern: wie du sprichst, wie du reagierst. Wenn du dich selbst verstehst, verstehst du auch dein Kind besser.
3. Menschen-Kenntnis: Wie ist dein Kind?
Du fragst dich:
- «Wie sieht mein Kind die Welt?»
- «Warum macht mein Kind das?»
Wenn du das versuchst zu verstehen, zeigt das:
- Du respektierst dein Kind.
- Du nimmst es ernst.
Von hier aus, kannst du mit deinem Kind leichter neue Wege gehen.
Die Eltern-Kind-Beziehung verändert sich ständig. Weil du dich veränderst und weil sich dein Kind verändert. Mit jeder neuen gemeinsamen Erfahrung im Familien-Alltag wirkt auf die Beziehung zu deinem Kind.

2 Wofür ist eine ehrliche Eltern-Kind-Beziehung im Alltag?
Die Beziehung zwischen Eltern und Kind ist zentral für:
- Wie gut das Kind denkt, fühlt und mit anderen umgeht
- Wie das Kind lernt, fair und respektvoll mit anderen umzugehen
In der alltäglichen Eltern-Kind-Beziehung lernt das Kind wichtige Dinge:
- Wie sehen mich andere?
- Werde ich respektiert?
- Ist meine Meinung wichtig?
Ich liebe dich, wie du bist. Nicht nur, wenn du so bist, wie ich es will.
Wenn wir unsere Kinder respektieren…
…dann lernen sie auch, uns zu respektieren.
Wenn wir die Bedürfnisse unserer Kinder sehen…
…dann lernen sie, auch unsere Bedürfnisse zu sehen.
Was bedeutet «sehen und respektieren»?
Das heisst nicht, dass wir alles gut finden, was unsere Kinder tun. Sondern: «Ich sehe dich. Ich verstehe, dass du anders denkst als ich.»
Kinder brauchen nicht alles so zu machen, wie wir es wollen, um
- gesehen,
- geliebt oder
- respektiert zu werden.
Wir respektieren unsere Kinder so, wie sie sind. Ihre:
- Art, wie sie leben
- Interessen und Hobbys
- Wünsche und Vorlieben
Respektieren heisst nicht, dass wir alles gut finden. Sondern: «Ich verstehe, dass jeder Mensch anders ist.»
Wie wir heraus-finden, wie unsere Kinder die Welt sehen, was sie interessiert und wovon sie träumen, erkläre ich im Blog-Beitrag: Die SICHT der Kinder verstehen: Die Lebens-Welt-Orientierung.

3 Wenn Eltern so handeln, fühlen sich Kinder wertvoll.
- Ermutigen: «Probiere es aus! Ich glaube an dich.»
- Tipps geben, wenn das Kind oder der Jugendliche danach fragt.
- Selbstständigkeit und Kreativität fördern: «Du kannst das selbst entscheiden. Ich helfe dir dabei.»
- Gute Leistungen sehen und ansprechen.
- Konflikte sehen und ansprechen: die eigenen und die vom Kind.
- Lachen und Spass zulassen.
- Zuhören und Sorgen ernst nehmen. Urteilsfrei.
- Grenzen setzen: «Ich möchte nicht, dass du so mit mir sprichst. Es verletzt mich.»
- Zusammenarbeit vorschlagen: «Lass uns gemeinsam Mittagessen kochen.»

4 Wenn Eltern so handeln, fühlen sich Kinder verletzt, allein oder unwichtig.
- Leistungen oder Fehler verletzend kritisieren: «Das war wieder nichts!»
- Negativ über Kinder sprechen: «Der ist immer so faul.»
- Anschreien, beschämen oder beleidigen: «Du bist dumm!»
- Körperliche Gewalt anwenden: schlagen, stossen, festhalten.
- Sarkastisch reden oder auslachen: «Na, wieder alles falsch gemacht?»
- Lange Zeit ignorieren: nicht antworten, nicht anschauen, nicht zuhören.
- Nicht helfen, wenn das Kind Probleme hat: «Das ist dein Problem.»
- Kontakt zu Freunden verbieten: «Du darfst dich nicht mit ihm treffen.»
Was Kinder tun, wenn sie sich verletzt, allein oder wertlos fühlen, erkläre ich im Blog-Beitrag Kinderverhalten verstehen: Warum Kinder sich selbst oder anderen schaden.

5 Wie Kinder und Jugendliche ihre Eltern-Kind-Beziehung im Alltag erleben.
Kinder und Jugendliche sehen ihre Beziehung zu ihren Eltern oft ganz anders als die Eltern selbst. Das haben schon einige Studien gezeigt.
Deshalb ist es zentral, dass wir Erwachsenen die Sicht der Kinder und Jugendlichen hören und ernst nehmen.
Es ist unsere grosse Aufgabe als Erwachsene, die Sicht der Kinder:
- zu sehen: Was denken und fühlen sie wirklich?
- zu verstehen: Warum fühlen sie so? Was brauchen sie?
- ein-zu-beziehen: Wie bringen wir das in den Familien-Alltag ein?
So fühlen sich Kinder und Jugendliche gesehen und respektiert. Das ist das Fundament für eine gute Eltern-Kind-Beziehung.

6 Q&A zum Thema Eltern-Kind-Beziehung im Alltag.
❓ Was ist eine gute Eltern-Kind-Beziehung im Alltag?
Eine Beziehung, in der Kinder sich gesehen, geliebt und respektiert fühlen – auch wenn sie anders sind als ihre Eltern. Sie lernen so, selbst fair und sicher mit anderen umzugehen.
❓ Wie merke ich, ob meine Eltern-Kind-Beziehung gut ist?
Dein Kind zeigt es: Es kommt auf dich zu, teilt Gefühle, fragt nach Rat – und fühlt sich sicher, auch bei Fehlern. Du merkst: Du hörst mehr zu, reagierst weniger impulsiv.
❓ Was verletzt Kinder in der Eltern-Kind-Beziehung?
Verletzende Kritik, Ignorieren, Beschämen, Sarkasmus oder körperliche Gewalt. Kinder fühlen sich dann allein, unwichtig – und lernen, sich zurückzuziehen oder zu kämpfen.
❓ Wie kann ich meine Eltern-Kind-Beziehung im Alltag verbessern?
Beginne mit 5 einfachen Fragen: Was macht mir Freude? Was tut mein Kind gut? Wann fühlt es sich verletzt? Was will ich ändern? Frag dein Kind und höre zu, ohne zu urteilen.
7 Weiterlesen.
- Die SICHT der Kinder verstehen: Die Lebens-Welt-Orientierung
- Kinderverhalten verstehen: Warum Kinder sich selbst oder anderen schaden
8 Verwendete Literatur.
Fitzner, Cindy (2025). Bildung beginnt zu Hause: Wie das familiäre Umfeld Kinder prägt. Dissertation. Freie Universität Berlin.
Piezunka, Anne, Diers, Manuela, Lambrecht, Jennifer, Prendel Annedore (2025). Qualität pädagogischer Beziehungen reflektieren. 50 Karten mit Denkfragen für die Praxis (1. Aufl.). Weinheim, Basel: Beltz.
Prengel, Annedore (2019). Pädagogische Beziehungen zwischen Anerkennung, Verletzung und Ambivalenz. Opladen, Berlin & Toronto: Barbara Budrich.
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