Schritt 6:
Wie sieht dein Kind seine Welt?
Sei präsent: Kannst du deine Hände, Arme, Brust, Bauch und Beine von innen spüren? Diese Energie, eine Art Kribbeln? Während du weiterliest, behalte einen Teil deiner Aufmerksamkeit in deinem Körper. Präsenz ist wichtiger als die Worte.
In den bisherigen Lektionen haben wir viel über uns selbst nachgedacht.
Im Grunde ging es bisher um die eine Frage:
- «Was halte ich für richtig und wichtig?»
Nun wollen wir herausfinden:
- «Ist das auch für mein Kind richtig und wichtig?»
- Oder: «Was ist für mein Kind richtig und wichtig?»
Jedes Kind sieht, erlebt und bewertet die Welt anders. Je besser du die Sicht deines Kindes verstehst, desto natürlicher wird deine Erziehung. Besonders bei herausforderndem Verhalten wie Schreien, Verweigern oder Zerstören.
Allein der Versuch, dein Kind zu verstehen, weckt positive Veränderungen.
Mit diesen 4 Prinzipien verstehst du die Sicht deines Kindes:
1. Beobachten:
- Schau genau hin, was das Kind tut.
- Frage interessiert und neugierig, lass dir die Welt erklären.
- Bewerte und urteile nicht. Korrigiere nicht sofort.
2. Mitbestimmen lassen:
- Lass dein Kind mitbestimmen, so oft wie möglich.
- Ermutige dein Kind, seine Meinung zu sagen: «Wie findest du das?»
- Respektiere diese Meinung, auch wenn sie dir nicht gefällt.
3. Stärken sehen:
- «Was kann mein Kind schon gut?»
- «Woran hat mein Kind Freude?»
- Fördere die Stärken und die Schwächen verschwinden von selbst.
4. Das Kind als Ganzes sehen:
- Betrachte und respektiere dein Kind als vollkommenen Menschen.
- Auch wenn ein Kleinkind abhängig und hilflos scheint.
- Es hat eigene Gefühle, eigene Gedanken, einen eigenen Körper und eigene Bedürfnisse.
Mach nicht alles gleichzeitig.
Wähle eines der vier aus und achte darauf.
Verstehen kommt vor Erziehen.
Wenn du die Welt durch die Augen deines Kindes siehst, verändern sich auch deine Fragen. Statt zu urteilen, willst du verstehen. Aber was tun, wenn das Verhalten trotz allem schwierig bleibt? Im nächsten Schritt gehen wir der Frage nach: ‹Warum tut mein Kind das wirklich?›
