Schritt 7:
«Warum tut mein Kind das?»
Sei präsent: Kannst du deine Hände, Arme, Brust, Bauch, Beine und Füsse von innen spüren? Diese Energie, eine Art Kribbeln? Während du weiterliest, behalte einen Teil deiner Aufmerksamkeit in deinem Körper. Präsenz ist wichtiger als die Worte.
Wenn dein Kind schreit, schlägt,
sich verletzt oder Dinge kaputtmacht, dann frage:
- «Warum tut mein Kind das?»
Gehe nicht darauf ein, was dein Kind tut, frage nach dem ‹Warum›.
Das Verhalten deines Kindes ist kein Widerstand,
sondern Ausdruck der inneren Hilflosigkeit.
Innere Hilflosigkeit ist eine Art Druck im Bauch.
Oder Empfindungen wie Angst, Trauer, Frust und Wut.
Innere Hilflosigkeit entsteht, wenn sich dein Kind durch grosse oder kleine Umstände im Selbstwert, der Anerkennung oder der Selbstwirksamkeit bedroht fühlt:
- Scheitern
- Überforderung
- Jemanden verlieren
- Negative Erfahrungen
- Neue Situationen
Selbstwert ist das Gefühl, dass du dir selbst wichtig bist.
Egal, was andere sagen oder denken.
Es geht darum, dich selbst zu mögen, wie du bist.
Anerkennung ist, wenn andere dir zeigen, dass sie dich schätzen.
Durch ein Lob, ein Lächeln oder ein «Danke».
Das macht dich glücklich und bestärkt dich.
Selbstwirksamkeit ist das Gefühl, dass du Dinge schaffen kannst.
Du denkst: «Ich schaffe das!» und probierst es aus.
Wenn dein Kind nicht weiss, wie es seine innere Hilflosigkeit,
diesen Druck und diese Spannung lösen kann,
dann macht es Dinge, die ihm selbst oder anderen schadet:
Sich selbst schaden:
- Isolieren und sich zurückziehen
- Schweigen, Verweigern
- Selbstverletzung, Selbstbestrafung
- Selbstentwertung, Negativität
Anderen schaden:
- Andere anschreien, schlagen oder beleidigen
- Dinge kaputtmachen oder stehlen
- Keine Rücksicht auf andere nehmen (z. B. laut sein, wo Ruhe sein soll)
- Sich nicht an Regeln halten, auch wenn man weiss, dass es falsch ist
Gehe nicht auf das Verhalten ein.
Erforsche, die innere Hilflosigkeit deines Kindes.
Die 4 Prinzipien der letzten Lektion helfen dir:
- Beobachten
- Mitbestimmen lassen
- Stärken sehen
- Das Kind als Ganzes sehen
Allein der Versuch, dein Kind so zu verstehen, weckt positive Veränderungen.
Verhalten ist Symptom. Erforsche die Ursache.
Du hast nun das gesamte Handwerkszeug: von der eigenen Präsenz über die Balance bis zum tiefen Verständnis deines Kindes. Damit bist du bereit, diesen Weg eigenständig zu gehen. Im letzten Schritt fasse ich alles für dich zusammen und gebe dir das Werkzeug für den Alltag mit.
