Über Partizipation von Kindern wird immer öfter geredet. Zu Recht. Neue Studien liefern praktische Alltagstipps und zeigen, wie deine Kinder und dein Familienleben davon profitieren: Hinter dem sperrigen Wort «Partizipation von Kindern» steckt eine ganz einfache Wahrheit. Wenn Kinder das Gefühl haben, wirklich mitreden zu dürfen, kooperieren sie im Alltag viel besser.
Was «Partizipation von Kindern» wirklich bedeutet (und was nicht)
Partizipation von Kindern und Jugendlichen meint: Dein Kind lernt, seine Meinung zu sagen. Es weiss, dass diese Meinung nicht von vornherein abgelehnt wird, nur weil sie dem Erwachsenen nicht in den Kram passt.
- Wichtig: Die Meinung sagen heisst nicht automatisch entscheiden. Es ist die Voraussetzung dafür, eine gemeinsame Lösung zu finden, mit der alle (zumindest vorübergehend) einverstanden sind.
- Beispiel: Statt zu befehlen «Räum dein Zimmer auf», fragst du: «Das Zimmer ist unordentlich. Wollen wir zuerst die Lego-Steine oder zuerst die Bücher wegräumen?»
- Was bringt das? Kinder wollen und sollen gehört werden. Sie lernen dabei, was sie mögen und was nicht. Es gibt ihnen Anerkennung, Selbstvertrauen und das Gefühl, im Alltag wirksam zu sein. Diese drei Dinge sind elementar für das allgemeine Wohlbefinden von Kindern.
Die Falle: Wenn Beteiligung nur Fake ist
Pass auf, dass Partizipation von Kindern nicht zur Show wird. Wenn du fragst «Was möchtest du?», aber innerlich schon «Nein» denkst, merkt dein Kind das sofort. Das schafft Misstrauen.
- Deine Regel: Frage nur nach der Meinung, wenn das Ergebnis wirklich offen ist.
- Wenn die Antwort feststeht (z.B. «Nein, wir kaufen keine Süssigkeiten vor dem Essen»), dann sag es klar und freundlich, statt eine Schein-Abstimmung zu machen. Ehrlichkeit schafft mehr Vertrauen als eine falsche Wahlmöglichkeit.
So klappt die Partizipation von Kindern auch unter Zeitdruck
Partizipation von Kindern braucht nicht immer lange Sitzungen. Es muss auch nicht alles gemeinsam entschieden werden. Manchmal braucht die Situation eine klare Führung durch die Erwachsenen:
- Im Stress: «Jetzt müssen wir rennen, ich entscheide. Heute Abend beim Znacht besprechen wir, wie wir den Morgen morgen entspannter gestalten.»
- Der wichtige Nachsatz: Achte darauf, dass deine Entscheidungen für das Kind Sinn ergeben und erkläre sie. Besprich die Stress-Situation später in einem ruhigen Moment nochmals. Macht gemeinsam eine Abmachung, wie es läuft, wenn es wieder mal hektisch wird.
- Der Lerneffekt: Dein Kind versteht: Es gibt Momente, da sagen Mama und Papa, was wir tun (weil es sicher oder schnell gehen muss). Und es gibt Momente, da entscheiden wir zusammen.
Was dein Kind davon hat, wenn es mitreden darf
Studien zeigen: Kinder, die Partizipation erleben, werden nicht frech oder tun einfach, was sie wollen. Im Gegenteil: Sie lernen, Verantwortung für ihre eigenen Entscheidungen zu übernehmen.
- Zukunftsmusik: Ein Kind, das heute übt, seine Wünsche zu äussern und Kompromisse zu finden, wird später ein Erwachsener, der Probleme selbst löst, statt auf andere zu warten.
- Umgang mit Fehlern: Wenn eine Entscheidung des Kindes schiefgeht (z.B. es zieht nur ein T-Shirt an und friert), sag nicht «Ich hab’s gewusst». Sag stattdessen: «Oh, das war wohl zu kalt. Was machen wir nächstes Mal anders?»
Fazit & Handlungsimpuls
Partizipation von Kindern ist kein theoretisches Konzept, sondern das Geheimnis für ein entspannteres Miteinander: Klare Grenzen von dir, aber echte Mitsprache für dein Kind.
- Deine Aufgabe: Biete deinem Kind so oft wie möglich Optionen an, aus denen es auswählen kann. Zwei oder drei Wahlmöglichkeiten genügen – und halte dich dann auch an die Wahl deines Kindes.
- Das Wichtigste: Dein Kind soll erleben: «Meine Stimme zählt bei meinen Eltern. Ich darf hier sagen, was ich denke, fühle und wünsche – auch wenn Mama und Papa manchmal anderer Meinung sind.»
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Quellen
Siklic Nuñez, A. (2026). Partizipation im Platzierungsverfahren. Bachelor-Thesis, Hochschule für Soziale Arbeit FHNW.
Worum es geht: Eine aktuelle Studie aus der Schweiz, die zeigt, wie wichtig es ist, Kinder (auch im Alter von 6–12 Jahren) ernst zu nehmen und ihre Meinung in Entscheidungen einzubeziehen.
Homberg, L. & Unbehend, M. (2026). „Kinder haben doch längst Rechte?“ Partizipation zwischen Selbstverständlichkeit, Adultismusdilemma und Machtfrage. In: Sozial Extra.
Worum es geht: Ein Fachartikel aus Deutschland, der erklärt, warum Erwachsene manchmal unbewusst die Macht behalten und wie wir das ändern können, um Kindern echte Mitbestimmung zu ermöglichen.
Velten, K. & Hüpping, B. (Hrsg.) (2026). Partizipative Forschung mit Kindern in der Grundschule. Verlag Julius Klinkhardt.
Worum es geht: Ein Sammelband mit neuesten Erkenntnissen darüber, wie Kinder im Alltag (z.B. in der Schule oder Familie) zu Wort kommen und warum das ihr Selbstvertrauen stärkt.
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