Ist Selbstreflexion spirituelle Bildung?

Meine Eigenwahrnehmung bestimmt meine Wahrnehmung der Welt und der Mitmenschen.

Folglich ist die Reflexion meines eigenen (sozialen) Handelns ein wesentliches Qualitätsmerkmal für meine Begegnung mit anderen und meine Begleitung von anderen.

Die Selbstreflexion ist unverzichtbare Voraussetzung und Wesenskern meines jeweiligen (sozialen) Handelns. Sie bringt mir: Gelassenheit, Angstfreiheit, Toleranz.

Doch: Woraufhin soll ich mich selbst reflektieren?

Das Gesuchte ist das Sein selbst. Wir haben also, was wir suchen, bereits. Folglich lasse ich mich vollkommen ein auf das Sein und sehe: In der Natur des Seins ist die Erfahrung der Einheit und Vollkommenheit angelegt.

Sehe ich die Welt stattdessen als ein Gegenüber, hier bin ich und dort ist die Welt , ist das problematisch: Der vibrierende Draht zwischen Subjekt und der Welt verstummt. Es entsteht der Verlust der Erfahrung des lebendigen menschlichen Daseins. Es entstehen Dualismen und Entfremdung. Eine gleichgültige, feindliche, abstossende Weltbeziehung.

So gesehen ist spirituelle Bildung wesentlich für mein lebendiges In-der-Welt-Sein. Sie öffnet mich für mein Eigenes und die Lebenswelt der anderen. Diese ganzmenschliche Offenheit für das Gegenüber und die Welt ist die Grundlage für mein Verbundensein.

Dies, verstanden als meine innerste Mitte, ist schwer sagbar (das gesprochene Tao ist nicht das wahre Tao). Es ist erfahrbar und lebbar.

Wo diese innerste Mitte verloren geht, da können Menschen nicht sie selbst sein und sich nicht wahrhaftig spüren. Da passen Worte und Taten nicht zusammen und die Menschen lehnen sich auf oder wenden sich ab.


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